"Bis aaschtändig zum Normalverdiener"

Heb Sorg...

Mit einer neuen Kampagne verteilt der Kanton Zürich grosszügig Tipps an die hier ansässige ausländische Bevölkerung um deren Integration zu fördern. Die gut gemeinten Ratschläge richten sich vor allem an Migratinnen und Migranten, gehen laut dem Sprecher der Justizdirektion aber auch alle waschechten Zürcherinnen und Zürcher ohne Migrationshintergrund etwas an.

Schliesslich gibt es ja auch Bünzli-Schwiizer, die lieber mit dem Auto in die Stadt fahren als mit dem Zug, und auch manch Einheimischen wurde das richtige Entsorgen des Abfalls nicht einfach so mit in die Wiege gelegt. Die Tipps sollen das Zusammenleben von Menschen anderer Herkunft mit den Schweizerinnen und Schweizer erleichtern. Endlich, danke Markus für diese Innovation.

Die Idee ist so bahnbrechend und überzeugend, dass sie umgehend auf weitere Bevölkerungsgruppen ausgedehnt werden muss. Darum fordere ich eine vom Kanton finanzierte Kampagne, die auf das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichem sozioökonomischem Status abzielt. Um der Ausgrenzung entgegen zu wirken, werde ich auf diffamierende Begriffe wie Abzocker und Bonzen verzichten und die hier angesprochene Bevölkerungsgruppe als Zugutbetuchte bezeichnen.

Probleme zwischen der Normalbevölkerung und den Zugutbetuchten haben in den letzten Jahren stetig zugenommen. Weder Gesetze noch härtere Strafen haben sie bisher dazu bewogen, sich anständig und angemessen zu verhalten. Gerade in den vergangenen Monaten kam es vermehrt zu schamlosen Attacken. So haben sich die Manager der CS an deren Aktionärsversammlung trotz strenger Videoüberwachung wiederholt und ohne jegliche moralischen Bedenken in aller Öffentlichkeit fette Millionenboni zugespielt. Getreu dem Motto „fördern und fordern“ habe ich hier ein paar Tipps aufgestellt, die den Zugutbetuchten „mit einem Augenzwinkern aufzeigen, dass sie nicht alles tun und lassen können, wie sie wollen“. Die auf Schwiizerdütsch verfassten Tipps werden im Kleingedruckten in die Sprache der Zugutbetuchten übersetzt.

„Ras nöd mit em SUV durd Stadt, meistenst bisch mit em Tram eh schnäller“ – „Um ihr Zeitmanagement zu optimieren gibt es multiple Transportangebote des öffentlichen Verkehrs, die in jeder Kosten-Nutzen Analyse dem motorisierten privaten Fortbewegungsmittel überlegen sind.“

„Heb Sorg zu oisem Gäld und tuens nöd verspekuliere, mir brucheds für die herte Ziite und au für die schöne.“ – „Erhöhe das Eigenkapital, erstelle nur Finanzprodukte, die du auch selber verstehst und wehre dich nicht länger gegen eine internationale Finanztransaktionssteuer und bekämpfe damit die globale Armut!“

Liebe Linda, I love it!

Liebe Linda, I love it! Bitte, bitte, dichte noch ein paar weitere solcher Slogans. Die sind echt unterhaltsam, ich habe so was von gelacht!

Dank dieser Kampagne, weiss ich, dass ich ...

Also ich finde die Kampagne sehr gut.

Seit dieser Kampagen wissen meine Eltern, dass sie dem Geld, ihrer AHV-Rente, Pensionskasse, etc. Sorge tragen müssen.

Seit dieser Kampagne wissen meine Brüder, dass sie zu den Frauen anständig sein müssen.

Seit dieser Kampagne weiss ich, dass ich auf mein Sushi verzichten muss und nur noch Pizza mit Ziger essen muss.

Seit dieser Kampagne weiss ich, dass ich zuerst mit Essigsocken meinen Armbruch behandeln muss.

Seit dieser Kampagne wissen wir, dass ...

Seit dieser Kampagne weiss ich, dass ...

Seit dieser Kampagne weiss ich, dass die Kampagne auch für mich waschechte Zürcherin mit Migrationshintergrund nicht gilt oder doch oder doch nicht, weil ich nicht waschecht bei 95° bin?

Seit dieser Kampagne wissen meine Eltern, meine Brüder, meine Migrantinnen-Freundinnen und Migranten-Freunde und vor allem ich, dass ich noch viel viel lernen muss und darf.

Danke für die Kampagne.

Danke. Danke. Danke.

PS: Wir haben einen Lesezirkel gegründet in dem wir die Zitate immer wieder rezitieren und definieren und die Hintergründe erfragen. Wer beitreten möchte, melde sich bei mir. Jede 2. Woche besucht uns eine Integrationsbeaufragte mit einer Theaterpädagogin, sie zeigen uns, wie wir diese Ratschläge in den Alltag umsetzen können und dürfen. Ohne deren Hilfe würden wir uns in dieser Gesellschaft verloren fühlen. Wir danken den Beiden für ihr Engagement und für ihre Geduld mit uns.

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