Killerspiele: Informieren statt Verbieten!

Gestern hat nun auch der Ständerat einem Verbot von Killerspielen zugestimmt (siehe Bericht auf tagesanzeiger.ch). Meinen die ParlamentarierInnen einmal mehr, dass mit einem Verbot sämtliche Probleme aus der Welt geschafft werden könne, und alles gut werde? Bedauerlicherweise waren auch sehr viele SP-Rätinnen und -Räte dabei, und das Engagement des Berner SP-Grossrates Roland Näf, offenbar auch zusammen mit VPM-Mitgliedern (siehe 20min.ch), irritiert mich zusätzlich.

Natürlich muss man über Killerspiele diskutieren. Die exzessive Gewaltdarstellung in diesen games, wie übrigens auch in sehr vielen Filmen (nicht irgendwelche «Horrorvideos», sondern die alltägliche Kost in den grossen Kinos), darf nicht einfach so toleriert werden. Zu diesem Zeitpunkt eine Verbot zu erlassen, dessen Durchsetzbarkeit mir gar nicht klar ist, finde ich den völlig falschen Weg. Schade dass die Kampagne der Pro Juventute so wenig Beachtung gefunden hat!

und wiedereinmal wird über die Köpfe der Jugend...

... hinweg bestimmt. Politikerinnen und Politiker - insbesondere der SP - die früher in einer Jugendbewegung (68er) politisiert wurden und sich damals für eine selbstbestimmte Jugendkultur eingesetzt haben, wollen nun "Killer"spiele verbieten. Sie verbieten und bestimmen über die Köpfe der Jugendlichen hinweg. Ohne auch nur ein bisschen auf sie zu hören. Stehen doch von der Jungen SVP über JFDP und JCVP bis hin natürlich zur JUSO ALLE Jungparteien gegen ein solches Verbot ein und haben wir dies auch öffentlich bekannt gemacht. Aber nein, die Alten meinen mal wider besser zu wiessen, wie wir unsere Freizeit am sinnvollsten zu gestalten haben. Das Verbot ändert nichts, "Killer"spiele können nach wie vor online gespielt werden. Der Jugend wird nur wieder einmal mehr misstraut und Jugendliche pauschal kriminalisiert. Insbesondere von SP-RätInnen habe ich etwas ganz anderes erwartet.

Killerspiele und selbstbetimmte Jugendkultur

Ich gebe es zu, von Killerspielen habe ich nicht wirklich viel Ahnung, hatte auch nie das Bedürfnis, damit meine Zeit totzuschlagen. Dass sich offenbar in dieser Frage JUSO, JFDP und JSVP einig sind, gibt mir mindestens so zu denken, wie die Nähe von VPM-Leuten zu Roland Näfs Verein.

Killerspiele als Ausdruck selbstbestimmter Jugendkultur??? Aber hallo, Genoss/innen! Killerspiele sind nicht mehr und nicht weniger als die Produkte geldgieriger Software-Unternehmen, denen egal ist, was sie produzieren und was sie damit bewirken. Hauptsache es wird gekauft!

Ob jemand Killerspiele spielt, muss sie/er für sich selbst entscheiden. Killerspiele verbieten? Aus meiner sicht eher fraglich. Killerspiele tolerieren? Vielleicht. Aber Killerspiele zur sinnvollen Freizeitbeschäftigung und zum Ausdruck selbstbestimmter Jugendkultur hochstilisieren ... wer denkt sich solchen Bockmist aus?

 

Ähm....

...war es nicht eine SP-Politikerin, die dieses Verbot forderte?

zwei sachen

- Ja, es war die SP-Nationalrätin Evi Allemann. Manchmal ist man sich in der SP einig, manchmal nicht. Ärgerlich ist für viele SPler, wieviel Engagement gerade bei diesem Thema aufgewendet wird. Es gäbe wichtigere Themen, bei denen zudem mehr Einigikeit besteht, und wo es grossen Einsatz bräuchte (Weiterentwicklung Altersversicherung, Glaubwürdigkeit Ausländerpolitik etc.)

- Auf www.pro-jugendkultur.ch steht als Ziele der Petition:

  • Auf das Verbot von elektronischen Videospielen zu verzichten und folgerichtig die entsprechenden Standesinitiativen der Kantone Bern und St.Gallen und den Vorstoss Allemann abzulehnen
  • Stattdessen den Jugendschutz und die Präventionsarbeit in Sachen Medienkonsum bei Jugendlichen zu verstärken.
Es geht also überhaupt nicht darum, Killerspiele irgendwie zu "verherrlichen"! Stattdessen wird der schwierige Weg der Prävention gewählt. Das ist nicht so simpel und einfach wie ein Verbot auszusprechen, aber wohl wirksamer.

Schräge Argumente

Ich muss vorausschicken, dass ich keine Ahnung habe, wie Killerspiele wirken und ich weiss auch nicht, ob ein Verbot durchgesetzt werden kann. Etwas mulmig wird mir schon, wenn ich höre, dass die Spiele ihre Gewaltszenen immer realistischer darstellen. Kann mir schwer vorstellen, dass das so super ist.

Was mich aber dazu bringt, mich überhaupt zu äussern, ist der Hinweis oben auf die Kampagne der Pro Juventute. Ich habe heute im Interview in der NZZ am Sonntag mit dem Sprecher der Pro Juventute gelesen, dass 1. Der wissenschaftliche Beweis für die Schädlichkeit fehlt und 2. An die Eltern das Signal ausgesandt wird, dass die Spiele jetzt verboten sind und sie somit sich nicht mehr um die Medienkompetenz ihrer Kinder kümmern werden.

Zum ersten: Die Wissenschaft kann vielleicht vieles, aber es ist absolut unmöglich, eine wissenschaftliche Studie zu erstellen, die allseits akzeptiert wird. Egal, was Zahlen so sagen, da ist immer jemand, der sie in Frage stellt (siehe auch das Beispiel Klimawandel).

Und das zweite Argument macht mich ratlos, warum heute so viele berufen sind, Eltern für blöd bis saublöd darzustellen. Klar, Eltern können locker die Medienkompetenz ihrer Kinder auf Top-Level bringen, aber bei einem kleinen Signal aus Bern fallen sie in ein geistiges Delirium. Gut gibt die Pro Juventute da Gegensteuer. Wie wäre es mit einer Generalbevormundung von Eltern?

Zur Ergänzung war im Tages-Anzeiger ein Leserbrief des neuen GLP-Gemeinderats Samuel Dubno zu lesen. Er vergleicht das Verbot mit einem Verbot des Schachspiels, bei dem ja Damen geschlagen und Bauern geopfert werden. Nur ein Hinweis: Es ist wirklich niemand da, der Schachfiguren mit spritzendem Blut ausrüsten wollte und wenn es jemand täte, käme er nicht weit damit.

Das führt für mich zur Frage: Warum muss man mit solchen Argumenten kämpfen?

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