Die Bevormundung der Jugend
Viele Politikerinnen und Politiker, die heute am Drücker sind, wurden während einer der grossen Jugendbewegungen des letzten Jahrhunderts politisiert: die 68er und für Zürich besonders wichtig, die 80er Jugendunruhen. Beides mal forderten Jugendliche und junge Erwachsene mehr kulturelle und gesellschaftliche Selbstbestimmung für ihre Generation. Heute sitzen einige dieser Leute in Parlamenten und Exekutiven und scheinen vergessen zu haben, wofür sie damals kämpften.
Ihre Politik für die junge Generation sieht so aus: Ausgehverbot in Dänikon, Versammlungsverbot und Wegweisungsartikel in Winterthur, MP3-Player Verbot in den Sekundarschulen der Stadt Zürich und die Absenzen, wohl bemerkt die entschuldigten , sollen wieder ins Zeugnis.
Wenn sich die Jugendlichen von heute selbstorganisiert zum Feiern treffen, wenn sie sich Freiräume nehmen, wenn sie sich dem Konsumzwang entziehen und zum Beispiel ein Botellon veranstalten, dann ist das plötzlich nicht mehr das Gleiche wie damals. Dann fährt die Polizei auf, um sie weg zuweisen. Wenn sich Jugendliche mangels Alternative auf dem Dorfplatz versammeln, um ihre sozialen Kontakt zu pflegen, dann erlässt die Gemeindeversammlung ein Versammlungsverbot. Wenn Lehrerinnen und Lehrer Mobiltelefone nicht mehr von Musikplayer unterscheiden können, dann erlässt die Stadt ein Verbot für MP3-Player an den Schulen. Wenn die Schulbehörden nicht mehr gegen das Schulschwänzen ankommen, dann heisst der Bildungsrat ein Postulat gut, das verlangt, dass entschuldigte Absenzen im Zeugnis aufgeführt werden.
Das alles sind scheinheillige Lösungen. Oder bringt uns ein Ausgehverbot auch plötzlich ein Jugendzentrum? Führt ein Versammlungsverbot dazu, dass Jugendliche ihre Freizeit sinnvoll und selbstorganisiert gestalten? Verhindert das Ausweisen von entschuldigten Absenzen das Schwänzen? Führt ein MP3-Player Verbot zu mehr Aufmerksamkeit im Unterricht und weniger Schlägereien auf dem Pausenplatz?
Diese Verbote bedeuten einen Eingriff in die Selbstbestimmung der jungen Generation. Verbote taugen nicht zur Lösung der Probleme, die die Jugend und die Gesellschaft tatsächlich mit den Jugendlichen hat. Verbote bringen niemanden auf den „richtigen“ Weg. Das war auch in den 68er und den 80er Unruhen nicht anders. Auch damals haben sich die Jungen dagegen gewehrt, dass alle anderen scheinbar besser wussten, was für sie eine „gute“ Freizeitbeschäftigung ist. Gerade Jugendliche lassen sich vom erhobenen moralischen Zeigefinger kaum beeindrucken: Das müssten sie eigentlich wissen, die Revoluzzer von einst.



So ist es!
Jawohl! Stimmt alles, treffend formuliert!
Bin erfreut, das Geschriebene auf der Internetpräsenz einer sozialdemokratischen Partei gelesen zu haben.
Es braucht in allen Gemeinden ein klares Bekenntnis zu den Jungen, ihrer gesellschaftlicher Teilhabe und zu einer 'fortschrittlichen' Jugendarbeit. Ein Jugendleitbild könnte weiterhelfen.
Stattdessen schwören konservative BürgerInnen blind und naiv auf Überwachung und andere Lösungen, die das Problem nur versuchen zu überschminken, was beispielsweise im Zürcher Oberland zu beobachten ist.
Wieder einmal wird mein Denken bestätigt, die SozialdemokratInnen sind die einzigen PolitikerInnen, die sich FÜR die Jungen einsetzen.