Verteuert gemeinnütziger Wohnungsbau das Wohnen?
Eines der skurilsten Argumente gegen den sozialen und gemeinnützigen Wohnungbau heisst, dass damit für die übrigen Wohungssuchenden die Wohnungen verteuert werden. Urs Egger hat so argumentiert (am Bier-Fest im Volkshaus), SVP Mörgeli äusserte sich so bei Telezüri. Das Argument geht davon aus, dass der gemeinnützige Wohnungbau Angebot vom Markt nimmt und da Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen - zumindest nach der reinen Lehre - steigt der Preis für das verbleibende Angebot.
Warum sich der Vorwurf an den gemeinnützigen Wohnungsbau richtet, ist allerdings unklar. Jede und Jeder von uns, der in der Stadt wohnt, nimmt anderen ein Angebot weg. Dies nur den Genossenschaften und der Stadt vorzuhalten ist ziemlich parteiisch. Natürlich, wenn alles über den Preis geregelt wird, hat es mehr Platz für Gutbetuchte, das haben wir schon verstanden. Aber wenn es darum geht, kann man das ja klar sagen und dann schauen, wie das bei der Bevölkerung ankommt.
Aber da steht doch etwas von "Angebot und Nachfrage". Der gemeinnützige und der genossenschaftliche Wohnungsbau nehmen ja nicht nur Angebot vom Markt, sondern auch Nachfrage. Es wohnen wieder ein paar Menschen neu und stehen daher nicht mehr auf der Matte bei Vermietern. Und da diese Wohnungen viel sparsamer mit dem Land umgehen, als teure Immobilien, nehmen sie überproportional viel Nachfrage weg. Folgerung: Das Argument ist Schrott.



Verteuert gemeinnütziger Wohnungsbau das Wohnen? Ja!
Dass der subventionierte und gemeinnützige Wohnungsbau sparsamer umgeht mit dem Land als der private, stimmt eben gerade nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Wie ja auch die OECD in ihrem Bericht zur Schweiz 2009 festgestellt hat, sind wegen des Vermieter-feindlichen Mietrechts in der Schweiz Wohnungen, welche über eine sehr lange Zeit durch den selben Mieter bewohnt werden viel zu billig, weil das Mietrecht eine echte Anpassung an die Marktsituation verbietet. Dies führt einerseits dazu, dass sesshafte und langjährige Mieter gegenüber mobilen und flexiblen grundlos privilegiert werden. Was wiederum dazu führt, dass durch die zu niedrigen Mietzinsen dem Eigentümer das Geld für die notwendigen Investitionen und Neubauten fehlen (dies sagt alles, wie erwähnt, die OECD). Zudem hat die Erfahrung gezeigt, dass in diesen zu billigen Wohnungen auch die Ausnutzung viel zu schlecht ist, bzw. sich die Leute Wohnungen leisten können, welche eigentlich viel zu gross sind für sie. Dadurch wird anderen potentiellen Mietern, denen die grosse Wohnung besser dienen würde (etwa kinderreiche Familien), der Zugang verwehrt und sie steigern die Nachfrage bei anderen Wohnungen, welche dadurch teurer werden. Wenn man zudem die Nettowohnflächen in den gemeinnützigen Wohnbausiedlungen, beispielsweise in Zürich Nord, mit denjenigen von privaten an privilegierten Lagen vergleicht, sieht man ohne weiteres, dass der gemeinnützige Wohnungsbau keineswegs sparsamer mit dem Boden umgeht. Dadurch wird das Wohnen insgesamt tatsächlich verteuert. Dieser Effekt würde noch weiter verstärkt, wenn nun die Stadt oder andere gemeinnützige Wohnbauträger tatsächlich an privilegierten Wohnlagen wie im Seefeld oder in der Enge Liegenschaften erwerben würden. Damit würde die Nachfrage und dadurch auch die Preise zusätzlich angeheizt. Was wiederum zu einer Verteuerung des Wohnungsmarktes führen würde.
Das ganze lässt sich wie folgt auf den Punkt bringen: Weil viele zu billig wohnen (dank staatlicher Subventionen und viel zu strengem, vermieterfeindlichem Mietrecht), wohnen viele andere zu teuer.
Eben nicht
Guten Tag Herr Amacker
Besten Dank für Ihren Beitrag, ich diskutiere das sehr gerne mit Ihnen, gerade weil wir da so unterschiedlicher Meinung sind. Ich lasse mal die Frage dees Mietrechts weg - sie ist auch interessant, aber ein Thema für sich.
Warum nehmen Sie an, dass das Problem der "Unterbelegung" bei den Genossenschaften und im gemeinnützigen Wohnungsbau verbreiteter ist, als bei Privaten? Das sind doch die einzigen, die Belegungsregeln haben. Das führt mitunter zu Problemen, wenn jemand lange an einem Ort gewohnt hat und bleiben möchte, obwohl die Kinder ausgeflogen sind. Bei Privaten gibt es keine solchen Regeln und wer sich eine Wohnung und Kinder leisten konnte, kann das bis zur Pensionierung erst recht, wenn die Kinder ausgefolgen sind.
Auch die andere Aussage, dass gemeinnützige Wohnbausiedlungen zu grosszügig mit Land umgehen, glaube ich erst, wenn ich Zahlen sehe. Haben Sie welche? Teure Wohnungen sind meist geräumig, auch dann, wenn sie nur als Zweitwohnung für eine Person genutzt werden (Seefeldisierung). Wir haben in Wollishofen einige Lofts, um das zu belegen.
Wenn Sie ihren "Punkt" konsequent auf die Spitze treiben, so ist nach dieser Theorie jeder Vermieter, der den Preis seines Hauses nicht auf die maximale Rendite optimiert, schuld an den hohen Wohnungspreisen in Zürich. Und umgekehrt, wer das Maximum verlangt, ist sozial. Spätestens da wird es absurd.