Wohnen ist ein Grundbedürfnis des Menschen
Wohnen gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Menschen identifizieren sich mit den Quartieren, in denen sie leben. Eine Wohnungsnot, wie wir sie heute in der Stadt Zürich erleben, reisst langjährige nachbarschaftliche Strukturen auseinander und hinterlässt Risse im sozialen Gefüge. Solche Umwälzungen hinterlassen in der Bevölkerung eine Unsicherheit, der die Politik mit guten Konzepten begegnen muss. In Zeiten grosser Nachfrage sind Wohnhäuser auf dem freien Markt der ungehemmten Spekulation und dem Renditedruck ausgesetzt. Diese negative Spirale muss durchbrochen werden, indem möglichst viele Bauten dem renditeorientierten Markt entzogen werden. Dies geschieht, indem Immobilien von Genossenschaften, Stiftungen oder der Stadt gekauft werden, die sich zur transparenten Kostenmiete bekennen. Die Miete in solchen Liegenschaften wird nach dem tatsächlichen finanziellen Aufwand berechnet und nicht nach dem spekulativen Wert einer Liegenschaft.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass sich dieses Konzept seit mehr als hundert Jahren bewährt. Die Industrialisierung liess damals die Bevölkerungszahlen explosionsartig in die Höhe schnellen, was eine massive Wohnungsnot auslöste. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung begründeten vor allem engagierte Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten den gemeinnützigen Wohnungsbau. Genossenschaften wurden gegründet und die Stadt kaufte auf Druck der SP (und gegen den Willen der Bürgerlichen) Land, um darauf kommunale Bauten zu erstellen. Mit diesen Massnahmen konnte der damaligen Wohnungsnot wirksam begegnet werden. Zeugen aus dieser Zeit haben bis heute Bestand. Die Blockrandbebauungen mit den grünen Innenhöfen, die Reiheneinfamilienhäuschen mit eigenem Garten und die modernen durchgrünten Wohnsiedlungen sind bei Mieterinnen und Mietern beliebt und tragen zu sozial durchmischten und lebendigen Quartieren bei.



Zu doof?
Ja und warum ist Wohnungsnot? Lasst noch mehr Ausländer rein, wollt ihr das nicht sehen oder seit ihr zu blöd dazu?
Falsch, werter Gast
Die Ausländer einfach für alles verantwortlich zu machen, ist sehr einfach, aber falsch. Lassen wir den Beitrag der Ausländer am WohnungsBAU mal beiseite, so ist das Problem trotzdem woanders: Es arbeiten sehr viele Leute in Zürich. Da Zürich auch zum wohnen attraktiv ist, sind immer viele auf der Suche nach einer Wohnung. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich dabei um Walliser, Ausländer oder Ur-Zürcher, die in Opfikon wohnen, handelt. Solange die Arbeitsplätze da sind und mit Leuten besetzt werden, solange werden Wohnungen gesucht.
Ironie ist noch, dass vor allem von der SVP heute über die Deutschen hergezogen wird, die wegen der Personenfreizügigkeit mit der EU kommen. Erstens sind die bilateralen Verträge nur mit Personenfreizügigkeit zu haben und zweitens besteht diese Freizügigkeit mit den Deutschen seit den Bilateralen 1 im Jahr 2001. Denen hat die SVP zugestimmt (im Gegensatz zu vielen folgenden Schritten im bilateralen Prozess). Die Alternative zur Personenfreizügigkeit heisst Stagnation.
Zu doof? Weiterdenken!
Die Gesellschaft polarisiert sich und es gibt immer mehr SchweizerInnen und AusländerInnen mit sehr hohen Einkommen und Vermögen. Ist die Diskussion um die exorbitant hohen Boni schon vergessen? Diese und das nationale und internationale Kapital haben den Schweizer Immobilienmarkt als krisensichere Renditeanlage (wieder-)entdeckt. Sie sind bereit fast jeden Miet- oder Kaufpreis für Immobilien zu bezahlen. Die Anleger streben dann in der Regel eine sehr viel höhere Rendite an als normale Haus- und WohnungsbesitzerInnen. Dies ist hochgradig preistreibend. Durchschnittliche EinwandererInnen können sich genauso wenig wie durchschnittlich verdienende Einheimische diese horrenden Preise bezahlen. Deshalb müssen wir möglichst viele Wohnungen dem renditeorientierten Markt entziehen.