Eine Dekade geht zu Ende

Einige kennen den Song „2010“ von der Band Echt vielleicht noch. „Meine Zeit wird kommen im Jahr 2010, wenn wir uns wiedersehn,“ sang Kim Frank 2000 noch enthusiastisch. Und nun ist es soweit. Die ersten zehn Jahre im neuen Jahrtausend liegen hinter uns: Wer macht sich da keine Gedanken? Die Gesellschaft des 20. Jahrhunderts dachte alles erlebt zu haben.

Schliesslich sind Erster und Zweiter Weltkrieg, die beiden Golfkriege, der Krieg in Palästina, Stalin, Mao, Albert Einstein, Rosa Luxemburg, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, Nagasaki und Tschernobyl, Dolly, das erste geklonte Säugetier der Welt, die Völkermorde, das Internet, Aids, BSE und all die anderen vielen, vielen Geschehnisse, Persönlichkeiten, Krankheiten und Fortschritte wirklich schwer zu toppen. Man konnte sich einfach nicht vorstellen, noch wirklich überrascht zu werden. Ja, und dann kam das
Millennium. Das 21. Jahrhundert. Die Nullerjahre.

Euphorisch, mit Schwung und Elan starteten wir ins neue Jahrtausend. Im ersten Jahr erwarteten uns unter anderem ein wirtschaftlicher Boom, TV-Castingshows inklusive kollektives Fremdschämen, der Untergang des russischen U-Boots Kursk, das 118 Tote forderte, sowie der Beginn des Todesfastens der politischen Gefangenen in der Türkei,
gefolgt von der der Operation „Rückkehr ins Leben“, was rein gar nichts mit Leben zu tun hatte, wenn man bedenkt, wie damals Polizei, Militär und Sicherheitskräfte die rund 20 Gefängnisse in aller Herrgottsfrühe mit Hilfe von chemischen Waffen stürmten. Und dann, dann kam der 11. September 2001. Und mit dem 11. September lernten wir die Ära Bush jr. kennen. Mit ihm die PACE Flaggen, die „Achse des Bösen“, die Taliban und den Burka. Davor hatte sich fast kaum jemand damit beschäftigt. Es folgten Swissair-Grounding und Börsencrash. Doch ist das noch lange nicht alles: Unser Wortschatz hat sich unter anderem mit „to go“, „sBeschte wos je hets gits“, Cyber Mobbing, Serienjunky, Wikipedia ,„googeln“ und Facebook erweitert. Morgens verlassen wir das Haus mit einer mit Kaffee gefüllten Thermotasse oder besorgen und ein Pappbecher mit der blauen Koffeinbombe, welches wir beim Pendeln austrinken, wir hören Teenagern zu, verstehen aber schon rein linguistisch wenig bis gar nichts, wir fürchten uns plötzlich vor peinlichen Schnappschüssen, die wir einst aus Ulk mit Freunden gemacht hatten, organisieren unsere Termine so, dass wir weder „Desperate Housewives“ oder „Dr. House“ verpassen müssen, füllen unsere Wissenslücken schnellschnell mit Hilfe von Wikipedia oder Google und haben das ungemein dringende Gefühl, Innenleben und Privatsphäre via Facebook mit Sprüchen wie „Ich habe mich in dich verliebt, kann es dir aber nicht sagen“ oder hunderttausend Schmollmund-Selbstportraits mitzuteilen. Und damit wir auch ja immer up to date bleiben, haben wir den Blackberry oder das iPhone stets griffbereit. Eigentlich heisst es „Zeit ist Geld“, in den Nullerjahren aber eher „Zeit ist knapp“. Alles muss schnell gehen, Essen zum Mitnehmen, Speed Dating, Pendlerzeitungen, Wii Sports, damit wir gamen und Sport miteinander verknüpfen können, um nicht beides separat machen zu müssen. Und um noch unsere Lieblingsmusik hören zu können, haben wir den iPod immer in der Jackentasche.

Wir haben ein von Arbeitslosigkeit, Aktienabstürze, Terrorgefahr und Klimaerwärmung geprägtes Jahrzehnt hinter uns. Vogel- und Schweingrippe verunsicherten zusätzlich. Alkopops, Komasaufen, Happy Slapping, Minarett-Initiative und die an Weihnachten ach so hässlich beleuchtete Zürcher Bahnhofstrasse: Durch all das Hässliche und Furchteinflössende, nahm unser Wunsch nach persönlichem Wohlbefinden stark zu. Trotz Gleitzeit- und Überstunden, dem Vorschaffen während dem Pendeln sowie den Weiterbildungen, liessen wir uns weder unseren Yogakurs, noch die Ayuverda Massage nehmen.

Bennifer 1, Brangelina und TomKat hatten anscheinend solch eine starke Wirkung auf unser Unterbewusstsein, dass wir auf einmal das Bedürfnis nach übertriebenem und öffentlichen Zelebrieren unserer Liebesbeziehung und der sooo unbeschreiblich glücklichen Familiensituation verspürten, oder meinten, unseren Nachwuchs in Gucci Kleider stecken zu müssen.

Die Nullerjahre gehen am 31. Dezember zu Ende. Was wir in die neue Dekade mitnehmen, werden wir im Laufe der Zeit sehen. Wird es Twitter auch in den Zehnerjahren geben? Heiratet Paris Hilton, um danach als treue Ehe- und Hausfrau eine Fussballmannschaft auf die Welt zu setzen? Werden wir uns weiterhin SMS schicken? Wird die Schweiz ein Land voller
griesgrämiger Rassisten oder übernehmen bald böse Ausländer, die ohnehin Arbeit, Wohnung und Frauen wegnehmen, das Land? Mit etwas Geduld werden wir auch auf diese Fragen Antworten erhalten. Spätestens zehn Jahre später wissen wir sicher etwas mehr.

Hi Nuran Ein amüsanter

Hi Nuran

Ein amüsanter Artikel, obwohl an manchen Stellen mir eher zum heulen zumute war, als lachen. Was auch immer uns die nächsten 10 Jahren bringen wird:

Wir müssen global denken, aber lokal handeln!

In diesem Sinne ein frohes, neues Jahr!

Petek

SUPER

Sali Kleines!

Bravo!

 

Gruess

Bea

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